Sonntag, 17. Oktober 2010

Post # 13 : Rise Against - Worth Dying For

Worth Dying For - Wert dafür zu sterben


Set me off like dynamite strapped tight around my waist
Lass mich wie Dynamit explodieren, fest um meine Taille geschnallt

We are the ones in competition but claim this ain’t no race
Wir sind die Konkurrierenden aber behaupten dass es kein Rennen ist.

Im Intro ist die Rede vom lyrischen Ich, das Explodiert wie Dynamit. Damit könnte einerseits ein Gefühlsausbruch gemeint sein, aber auch ein Ausbruch körperlicher Kräfte. Als nächstes sieht er sich als Teil eines Ganzen (We). Es sagt, dass es mit jemandem konkurriert, dass sie aber behaupten, es sei kein Rennen, das sie austragen. Dieser Abschnitt kann auch anders gedeutet werden. Es kann auch behauptet werden, das lyrische Ich sei Teil einer Gruppe, die mit einer anderen Gruppe verfeindet ist („the ones in competition“ sind nicht nur Konkurrierende, sonders auch Gegner). Dieses Rennen kann als Bild für ein Ereignis verwendet werden, das vertuscht werden muss. Nehmen wir also an die beiden verfeindeten Gegner tragen einen Konflikt aus, bei dem der Stärkere behauptet, es sei kein Konflikt.


Take a breath and explode like bullets tearing through the wind
Nimm einen Atemzug und explodiere wie Kugeln, durch den Wind reißend

Cut me up with a razorblade then try to separate the skin
Schneid mich mit einer Rasierklinge auf und versuche dann die Haut zu trennen

Now when the white flames are burning flags we found a word worth dying for
Jetzt wenn die weißen Flammen Flaggen verbrennen finden wir eine Welt für die es wert ist zu sterben.

We’ve been battered so hard that we don’t feel anymore
Wir sind so schwer misshandelt worden, dass wir nichts mehr fühlen.

Wieder ist ein Gefühlsausbruch zu erkennen. Die Kugeln, die durch die Luft reißen, ist ein besonders starker Ausdruck dieser Gefühle und kann ebenfalls als Zeichen für den zuvor angesprochenen Konflikt dienen. So kann man auf die Idee kommen, dass es ein bewaffneter Konflikt ist. Dann beginnt der Text das erste Mal kritisch mit dem Konflikt umzugehen. „Schneid mich mit einer Rasierklinge auf und versuche dann die Haut zu trennen“. Das bedeutet so viel wie: Wenn Menschen tot und blutverschmiert sind, spielt die Hautfarbe eines Menschen keine Rolle mehr, dann sind es einfach nur tote Körper. Das könnte auf einen Rassenkonflikt hindeuten. Der nächste Satz hat viel Symbolkraft. „Wenn weiße Flammen Flaggen verbrennen, finden wir eine Welt für die es wert ist zu sterben“. Die weißen Flammen könnten weiße Menschen sein, bzw. die westlichen Mächte. In ihrem Kampf greifen sie hilflose Staaten an. Wenn wir von verbrannten Flaggen sprechen, könnte es auch auf Völkermord hindeuten. Das lyrische Ich ist in diesen Konflikt verwickelt, z.B. als Opfer, denn aus seiner Sicht sind er und sein Volk „so schwer misshandelt worden, dass sie nichts mehr fühlen“. Demnach könnte die Welt, für die es sich lohnt zu sterben, ihr unterdrücktes Land sein. Auch hier ist eine zweite Deutung möglich. Die weißen Flammen, die Flaggen verbrennen, können auch als weiße Friedensflaggen gesehen werden. Demnach wäre die Welt, für die es sich lohnt zu sterben, eine Welt des Friedens und das „Nichtsfühlen“ als Resultat von Misshandlung wäre wiederum Resultat des Krieges.


Take me from this world
Erlöse mich aus dieser Welt

Save me
Rette mich

What if we all die young?
Was wenn wir alle jung sterben?

So take me from this world
So erlöse mich aus dieser Welt

Save me
Rette mich

What if we all die young?
Was wenn wir alle jung sterben?

Das lyrische Ich verlangt Erlösung und Rettung aus dieser Welt. Demnach ist von einem Konflikt zu sprechen, von dem es genug hat, denn es fürchtet sich jung zu sterben für eine sinnlose Sache der Gewalt, obwohl es sein Leben noch vor sich hat.


Send me of on a morning breeze so far away from here
Verabschiede mich auf einer Morgenbrise so weit weg von hier

Fill your eyes in the strains of thought outside the warm embracing air
Fülle deine Augen mit den Belastungen des Denkens außerhalb der warmen umarmenden Luft

I’m moving slow
Ich gehe langsam

Like a glacier melting watch me dissipate
Wie ein schmelzender Gletscher, beobachte mich auflösen

I switched to love in an empty world but all I found was hate
Ich wechselte zur Liebe in einer leeren Welt, aber alles was ich fand war Hass

Am Anfang der zweiten Strophe verlangt das lyrische Ich Verabschiedung auf einer Morgenbrise, weit weg von „hier“. Könnte ein Zeichen darauf sein, dass der Konflikt weit weg von Zuhause stattfindet und das lyrische Ich auch nicht Zuhause bei der Familie stirbt, sondern auf dem Schlachtfeld. Der nächste Satz regt eine außen stehende Person an die Augen zu dem zu öffnen und nachzudenken, der wahren Bedeutung des Konflikts zu erkennen, ohne sich dabei von Verschönerungen verführen zu lassen („outside the warm embracing air“ – die Luft ist warm und umarmt jemanden. Man soll außerhalb dieser schönen Umklammerung Denken, um nicht davon beeinflusst zu sein. Wir erinnern uns an das Intro: Wir sind Gegner, doch behaupten es sei kein Rennen/Konflikt. Es ist von Verschönerung die Rede, aus der sich jemand befreien soll, wenn es nachdenkt). Das lyrische Ich verweißt dann darauf, dass es langsam geht. Möglicherweise ist es müde und erschöpft, dem Tod schon nahe („Like a glacier watch me dissipate“). Im letzten Satz dieser komplizierten zweiten Strophe ist die Rede von Hass, die anstatt von Liebe empfangen wird. Diese Liebe wird in einer leeren Welt gesucht, doch Hass wurde erwidert. Vielleicht ein Zeichen darauf, dass in einem armen Land statt Unterstützung Krieg herrscht und darauf, dass die Welt für die es sich lohnt zu sterben wirklich die Welt in Frieden ist und nicht die „leere Welt“.


Now when the white flames are burning flags we found a world worth dying for
Jetzt wenn die weißen Flammen Flaggen verbrennen finden wir eine Welt für die es wert ist zu sterben.

We’ve been battered so hard that we don’t feel anymore
Wir sind so schwer misshandelt worden, dass wir nichts mehr fühlen.

Siehe oben.



Take me from this world
Erlöse mich aus dieser Welt

Save me
Rette mich

What if we all die young?
Was wenn wir alle jung sterben?

So take me from this world
So erlöse mich aus dieser Welt

Save me
Rette mich

What if we all die young?
Was wenn wir alle jung sterben?

Siehe oben.


Don’t ask me why – cause I don’t know
Frag mich nicht warum – weil ich es nicht weiß

Don’t ask me how – I’m gonna solve this on my own
Frag mich nicht wie – ich muss das alleine lösen

Don’t ask me how – cause I don’t know
Frag mich nicht warum – weil ich es nicht weiß

These things I’ll never face
Diesen Dingen werde ich nie gegenüberstehen

Scratch out the warning race
Kratz die bedrohliche Rasse aus

The wreckage of a job well done
Die Trümmer von einem gut erledigten Job

I saw a place I’d never seen before
Ich sah einen Ort, den ich vorher nie gesehen hatte

And this morning I refused to close my eyes anymore
Und an diesem Morgen weigerte ich mich meine Augen je wieder zu schließen

„Die Frage warum“ kann die Frage des Krieges sein. Warum führt man Krieg? Das lyrische Ich kann es nicht wissen, es folgt nur Befehlen und nimmt daran teil. „Die Frage wie“ kann die Frage des Überlebens sein, das jeder selbst in die Hand nehmen muss. Vielleicht kann es auch die Frage des Friedens sein „Wie können wir das alles stoppen?“. Diesen Fragen wird das lyrische Ich nie gegenüberstehen, da es nur Befehle befolgt. Fragen gehört nicht zum Job, nur Töten („Scratch out the warning race“ – Bring einfach nur die bedrohlichen Feinde um.).
Am Ende bleiben dann nur noch die „Trümmer eines gut erledigten Jobs“, also viele Leichen. Das lyrische Ich sieht einen Ort, den es zuvor nie gesehen hat. Ob die Opfer auf Seiten des lyrischen Ichs oder seiner Feinde sind ist unklar, beides ist möglich. Fakt ist, dass sich das lyrische Ich „an diesem Morgen weigerte, je wieder seine Augen zu schließen“. Die Erfahrung die es gemacht hat muss grauenvoll gewesen sein, deshalb die Weigerung jemals wieder diesem Wahnsinn blind zu folgen, sondern der Wahrheit ins Auge zu blicken.


Take me from this world
Erlöse mich aus dieser Welt

Save me
Rette mich

What if we all die young?
Was wenn wir alle jung sterben?

So take me from this world
So erlöse mich aus dieser Welt

Save me
Rette mich

What if we all die young?
Was wenn wir alle jung sterben?

So take my
So erlöse mich (2x)

Der letzte Refrain mit dem Outro, in dem zwei weitere Male die Rede von „Erlöse mich“ ist, könnte darauf hinweißen, dass das lyrische Ich diesen Konflikt noch nicht richtig überwunden hat und immer noch auf Erlösung besteht, da es die Bilder nicht vergessen kann, die es gesehen hat.


Erste, mögliche Interpretation:


Es geht um einen Konflikt zwischen zwei Rassen, der natürlich nach außen hin geschönt wird, immerhin ist Krieg ein hässliches Wort und Konflikt ein viel Schöneres. Auch die Soldaten in dem Krieg folgten einst blind ihrem Führer und sind bereit für ihr Land zu sterben und sich gegen den bewaffneten, übermächtigen Angreifer zu verteidigen. Das lyrische Ich, hier Soldat eines der Kontrahenten, sieht die Grausamkeit des Kriegs und wird von ihr erdrückt. Es appelliert vor der ganzen Sache die Augen zu öffnen und dem Leid gegenüber zu treten, denn es ist nun mal nicht so schön, wie es nach außen hin angegeben wird. Am Ende ist das lyrische Ich zu geschockt von den Bildern, die es gesehen hat und sehnt sich nach wie vor nach Erlösung.


Zweite, mögliche Interpretation:

Es geht wiederum zwischen den Konflikt zweier Rassen, der geschönt wird. Wieder sind die Soldaten zunächst Marionetten der Regierung und befolgen nur Befehle. Das lyrische Ich ist wieder der „Erleuchtete“, dem sich das ganze Schauspiel als grausamer Akt des Tötens entpuppt. Die Appellfunktion ist wieder die Selbe, der einzige Unterschied besteht darin, dass die Welt, für die es sich lohnt zu sterben, nicht das eigene Land, sondern eine Welt des Friedens ist (weiße Flammen verbrennen Flaggen – Friedensflagge).


Dritte, mögliche Interpretation:

Eine etwas andere Deutung der Dinge wäre, das lyrische Ich als Selbstmordattentäter zu sehen. Das Explodieren des Dynamits, das Explodieren wie Kugeln, die durch die Luft reißen, müsste dann wörtlich genommen werden. Wieder ist es ein geschönter Konflikt zweier Länder, wobei das lyrische Ich dem schwächeren Land angehört, das unterdrückt und geschunden wird. Die Schindung führt zu Aggression des Geschundenen und darauf resultiert gefühlsloses Töten – Selbstmordattentate („Send me of on a morning breeze so far away from here“ – das lyrische Ich sprengt sich in die Luft, an einem fernen Ort.). Doch wieder geht es darum die Augen vor dem Unheil zu öffnen, damit man nicht so verzweifelt dahingeht wie das lyrische Ich. „I switched to love in an empty world but all I found was hate“, könnte eine Andeutung auf die Entscheidung zum Selbstmordattentat sein. Erlösung, Rache an den Menschen, die das lyrische Ich quälen. Wieder ist die Frage „warum?“ für das lyrische Ich nicht beantwort bar, denn es stirbt für sein Land und für seine Überzeugung, mehr interessiert es nicht. „Die Trümmer des gut erledigten Jobs“, der Ort, „den es zuvor nie gesehen hatte“ und die Weigerung „seine Augen jemals wieder zu schließen“ könnten wieder Entscheidungshilfen für das Attentat sein. Es sah die Verwüstung des Feindes, das Leid, was er seinem Volk angetan hat und ist nun bereit nie wieder die Augen davor zu schließen, zu handeln, zu sterben. Die Welt für die er stirbt, ist seine Heimat, die geschunden und vernichtet wurde. Diese Interpretation ist der ersten und zweiten am Entferntesten, aber auch denkbar, wenn man darüber nachdacht.

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